Aktuell

Juli 2022

FACETTENREICH

Diesmal wollen wir uns dem Thema Steine widmen, ihrer Farbigkeit, ihrer Klarheit, ihrem Feuer.
Doch der Begriff steht ebenso für Vielfalt, Abwechslung und Nuancenreichtum.

In diesem Sinn wählten wir
FACETTENREICH
als Motto für unsere diesjährige Sommerausstellung.
Denn neben den hier vorgestellten Schmuckmacherinnen
haben sich auch viele andere unserer Künstlerinnen und Künstler daran beteiligt
und uns neue Arbeiten zur Verfügung gestellt.

Wir laden Sie herzlich ein,
mit uns die unterschiedlichsten Facetten von Schmuckkunst zu genießen!

Babette von Dohnanyi

Ohrringe Butterfly, Silber 925 geschwärzt, blaues Glas, Labradorit
Ohrringe Butterfly, Silber 925 geschwärzt, blaues Glas, Labradorit

„Am Anfang – eine flüchtige Idee. Das aus der Fantasie geborene erste Bild eines Objekts.

In Gedanken schon die erste Auswahl der Materialien, die bestimmend sein werden für Ästhetik, Proportionen und die eine innere Spannung, ohne die das neuen Stück nur ein seelenloses Objekt bleiben würde.

Poetisch zärtliche Gefühle, wenn die Hände beginnen, sich in das Material hineinzudenken und es mit wachsender Gewissheit zum ersten Entwurf zu formen.

Dann aber, wenn die Idee an der Werkbank umgesetzt ist, kommt der Moment der Selbstreflektion. Der Schaffende wandelt sich zum distanzierten Beobachter des eigenen Werks.

Wohl wissend, dass es ohne seine Kritik an der eigenen Arbeit keine künstlerische Weiterentwicklung geben wird.“

Die gebürtige Münchnerin Babette von Dohnanyi studierte zunächst in Florenz an der Goldschmiedeschule Bino Bini und der staatlichen Berufsfachschule der Toscanischen Region mit Abschluss Steinfasser. Im Anschluss ließ sie sich in Neugablonz zur Silberschmiedin ausbilden. Ihre Werke sind in nationalen und internationalen Ausstellungen zu sehen.

Annette Ehinger

Ketten, Gelbgold 585, Prasiolith, Bergkristall
Ketten, Gelbgold 585, Prasiolith, Bergkristall

„Ein Stein ist rundum schön. Darum zeige ich in dieser Arbeit meine Steine von allen Seiten, ohne sie zu durchbohren.“

Annette Ehinger schleift ihre Steine so, dass sie von allen Seiten sichtbar sind. Mit ihren Schliffen, die von traditionellen Schliffen inspiriert sind, geht sie auf die im Rohmaterial vorhandene Form ein und findet so eine neue Form. Ein besonderer Reiz liegt im Gegensatz von rauem und facettiertem Teil. Der kleine Knubbel erlaubt es, den Stein nur mit einem feinen Golddraht zu fassen.

Annette Ehinger schloss ihr Studium für Schmuck und Gerät an der Fachhochschule für Gestaltung in Pforzheim mit Diplom ab. Seit 2005 arbeitet sie als selbständige Designerin. In diesem Jahr wurde ihr auch der Innovationspreis der INHORGENTA München verliehen. Ihre Arbeiten sind in öffentlichen Sammlungen in Idar-Oberstein und in Nijmegen in Holland zu sehen.

Monika Glöss

Das Bild zeigt einen goldenen Ring mit rotem Stein
Ring PODIO Roségold 585, Rodolith

„Der Ausgangspunkt für meine Arbeiten sind stets die einfachen Formen  –  Quadrat, Linie, Rechteck, Kreis. Gerne überlasse ich dabei den Materialien und Gestaltungselementen ihre eigene Wirkung und füge möglichst wenig hinzu. Als Detail setzte ich oft ein technisch-mechanisches Element ein, das einerseits zu der Form gehört und das zugleich etwas Neues, Unerwartetes spielerisch hinzufügt.
Bei dem Schmuck mit Edelsteinen ist die Farbe Ausgangspunkt der Gestaltung. Um die Wichtigkeit der Farbe zu betonen, ist hier ein kleines Podest die Fassung für den Edelstein, das zudem beweglich in die Fläche der Ringschiene eingelassen ist.“

Nach ihrer Ausbildung zur Goldschmiedin in Essen absolvierte Monika Glöss ein Diplomstudium an der Fachhochschule Düsseldorf im Fachbereich Schmuckdesign.

Ihre Arbeiten wurden mehrfach ausgezeichnet und in Ausstellungen in Deutschland, USA, Italien, Belgien, Niederlande und Polen gezeigt.

Franziska Rappold

Das Bild zeigt eine goldfarbene Kette
Kette Streifen, geprägt; Feinsilber, Goldplattierung

„In der Ruhe liegt die Kraft. Klare Formensprache, Leichtigkeit und variable Tragbarkeit als Essenz meiner Arbeit.“

Die Gestaltungslinien ihrer Schmuckstücke orientieren sich an einfachen Grundformen, die sich durch Reihung oder dreidimensionale Anordnung zu interessanten schlichten und eleganten Schmuckstücken fügen.

Franziska Rappold absolvierte eine Ausbildung zur Goldschmiedin und erweiterte ihre gestalterische Erfahrung durch ein Design-Studium für Schmuck und Gerät an der Hochschule für Gestaltung, FH Pforzheim. Ihre Arbeiten wurden mehrfach ausgezeichnet, zuletzt 2007 mit dem Hessischen Staatspreis für das Deutsche Kunsthandwerk und sie konnte ihren Platz im Kreis der Schmuckgestalterinnen finden, deren Name für anspruchsvolles Design steht.

Silke Spitzer

Das Bild zeigt einen Goldring mit flaschengrünem Turmalin, der durch ein goldenes Band gehalten wird
Bündelring Gelbgold 585, Turmalin

„Wenn ich in meine Umgebung blicke, erwartet mich eine unendliche Fülle an Material, Farbe und Form.
Mich interessiert das Naheliegende, das Einfache, das Vertraute. Und das schon immer da Gewesene.
Man muss nur genau hinsehen und Eins zum Anderen fügen, um schließlich Jedes mit Allem zu verbinden.

Silke Spitzer wuchs in einem kleinen Dorf im Illertal auf. Nach einer Goldschmiedelehre in Kaiserslautern und einem Stipendium in den USA schloss sie ihr Studium im Fachbereich Schmuck und Gerät an der Fachhochschule für Gestaltung in Pforzheim ab.  

Seit 2004 arbeitet sie als freischaffende Künstlerin in Berlin und im nördlichen Brandenburg. Neben anderen Auszeichnungen erhielt Silke Spitzer den Justus-Brinkmann-Preis des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg und den Grassipreis der Galerie Slavik.  In Ihren transdiziplinären Arbeiten verschmelzen die Grenzen von Schmuckkunst, skulpturalem Objekt und Wandschmuck. 

März 2022

Im Bild die Einladungskarte zur Ausstellung Dialog Papier

Unsere Frühjahrsausstellung
von 2. April bis 14. Mai

Mit großer Freude präsentieren wir unsere erste Ausstellung in diesem Jahr:
DIALOG PAPIER.
Papier ist ein Medium, das die Kreativität beflügelt. So wie ein leeres Blatt Dichter zu ihren Versen inspirieren kann, verführt es Schmuckmacher dazu, es zu falten, zu schneiden, zu drehen, zu verwinden. Egal, ob sie sich ihm spielerisch nähern oder mathematisch präzise, ob sie es als Modell nutzen, oder das Medium zum Werkstoff selbst machen:
Es entstehen außergewöhnliche Schmuckstücke, die faszinieren.
Mehrere Schmuckkünstler haben sich dem Thema Papier auf ganz unterschiedliche Weise angenähert.
Eine kleine Auswahl möchten wir Ihnen bei unserer Ausstellung DIALOG PAPIER vorstellen.

Attei Chen

Brosche O.T. 2016 | Papier, Farbe, Silber, Holz, Graphit, Edelstahl
Brosche O.T. 2016 | Papier, Farbe, Silber, Holz, Graphit, Edelstahl

„Matter of perspective – in this series of work, I was occupied primarily with the theme of multiple perspectives, the way that we perceive and record our surroundings.“

Attai Chen wurde in Jerusalem geboren. Von 2002 bis 2006 studierte er an der renommierten Bezalel Academy  of Arts & Design im Fachbereich Schmuck, von 2007 bis 2012 an der Akademie der Bildenden Künste in München, Klasse für Schmuck, bei Prof. Otto Künzli. Seine skulpturalen Arbeiten sind in zahlreichen Museen in Europa, den USA und Israel zu sehen.

Claudia Hoppe

Armreif Cookies | Silber 925
Armreif Cookies | Silber 925

„In ihren Arbeiten vereint Claudia Hoppe traditionelles Goldschmiedewissen mit zeitgenössischen Einflüssen aus Produkt- und Schmuckdesign, Installation und Skulptur. Während die Entwürfe in Papier von Hand gefertigt werden, kommen in der Ausführung der Stücke auch moderne industrielle Techniken zum Einsatz.“

Claudia Hoppe wurde in Kiel geboren. Sie machte eine Ausbildung zur Goldschmiedin und studierte zunächst Produktdesign – Fachrichtung Schmuck – an der Hochschule Düsseldorf und der Escola Massana in Barcelona, Spanien. 2011 schloss sie mit dem Master of Arts ihr Studium Objekt & Schmuck an der PXL-MAD School of Arts, in Hasselt, Belgien, ab. Claudia Hoppe wurde mehrfach mit Design-Awards ausgezeichnet und war 2017 für den German Design Award nominiert.

Papier Langackerhäusl

Kette Pico | recyceltes Papier
Kette Pico | recyceltes Papier

„Papier ist unser bevorzugtes Medium, da es sich um ein natürliches Material mit vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten handelt. Wir verwenden unser eigenes handgeschöpftes Papier sowie andere ausgewählte Varianten, um unsere Arbeiten zu vervollständigen. Alle zusätzlichen Komponenten wie Stoffe, Farben, Eisenwaren, Leder und Nicht-Leder-Alternativen werden hinsichtlich Qualität, Aussehen und Nachhaltigkeit gleichermaßen geprüft.“

Hinter Papier Langackerhäusl stehen die beiden österreichischen Kreativen Ralf Stauss und Edward Richardson. Ihre eigenwilligen Papierkreationen sind komplett „hausgemacht“ und umfassen neben den Schmuckarbeiten auch eine umfangreiche Taschenkollektion. In ihre Arbeit – die sie selbst als autodidaktische Kunstausübung beschreiben –  fließen Erfahrungen aus den Bereichen Kostümdesign, Schneiderei, Grafikdesign und visuelles Styling ein.

Christiane Gilg

Gedrehter Halsreif | Silber 925
Gedrehter Halsreif | Silber 925

„Meine Gold- und Silberarbeiten sollen ‚papierene‘ Leichtigkeit mit unkomplizierter Tragbarkeit verbinden.“

Christiane Gilg wurde in München geboren. Nach einigen Semestern Kunstgeschichte folgte die Ausbildung zur Goldschmiedin. Christiane Gilg arbeitet seit 1985 selbständig und hat seit 2002 ein Atelier in Freising.

Julia Reymann

Halsreif | Japanpapier, Silber 925
Halsreif | Japanpapier, Silber 925

„Leichtigkeit und Struktur sind die Eigenschaften die mich am Experimentieren mit Papier reizen.“

Julia Reymann wurde in Bremen geboren. Sie studierte an der HAWK Hildesheim Metallgestaltung bei Prof. Dobler und Prof. Bünck und beteiligt sich mit ihren Arbeiten regelmäßig an Ausstellungen im In- und Ausland.

Sophia Epp

Ohrschmuck Margeritte | Silber 925
Ohrschmuck Margeritte | Silber 925

„Mein Anliegen ist es, Gesehenes, Erlebtes, Erspürtes in tragbaren, handwerklich erlesenen Schmuck zu verwandeln.“

Sophia Epp, geboren in Marktoberdorf, bestand 1996 ihre Meisterprüfung im Silberschmiedehandwerk als Jahresbestmeisterin und besuchte bis 1998 die Akademie für Gestaltung und Restaurierung im Handwerk, Bereich Schmuckgestaltung bei Erico Nagai. Sie nimmt seit 1994 an internationalen Ausstellungen teil.

Lilly Veers

Halsschmuck | Papier, Harz, Farbpigmente, Rauchquarz
Halsschmuck | Papier, Harz, Farbpigmente, Rauchquarz

„Seit Beginn meiner Selbständigkeit ist es mein Ziel, Schmuck in höchster Qualität anzubieten, aus Materialien, die in ökologisch und sozial verantwortbarer Form produziert sind. Meine Arbeit mit Papier und Harz unterstützen diesen Ansatz: Materialien, die aus nachwachsenden, nachhaltigen Naturstoffen bestehen, die ich aber in ihrer endgültigen Ausdrucksform selbst schaffen muss.“

Lilli Veers wurde in Heide geboren. 2003 machte sie ihren Abschluss als Goldschmiedemeisterin. Danach folgte ein Studium zur Diplom-Designerin an der Hochschule für Wissenschaft und Kunst (HAWK) Hildesheim bei Prof. Georg Dobler und Prof. Werner Bünck, Fachbereich Gestaltung. Seit 2005 beteiligt sie sich regelmäßig an Ausstellungen.

Christine Graf

Brosche | Gold 900
Brosche | Gold 900

„Einzelne feine Streifen aus Gold oder Silber werden bei meiner Schmuckserie ‚Verflechtungen‘ miteinander verwoben. Dabei kann ich das Material – ähnlich wie Papier – ausschließlich mit meinen Händen formen. Durch die zarte Licht und Schattenführung auf der gewebten Struktur entstehen feine Nuancen in der Farbigkeit des Metalls, welche die unterschiedlichen Muster zur Geltung bringen.“

Christine Graf, die für ihr Werk unter anderem mit dem Bayerischen Staatspreis gewürdigt wurde, ist gebürtige Münchnerin und hat nach ihrer Ausbildung zur Goldschmiedin an der Birmingham City University Silberschmieden bei Jivan Astfalck studiert.

Januar 2022

KULTURBRIEF. Das Kulturmagazin aus Bayreuth, 01|2022

Frank Piontek: „Näher an den Schmuck heran kommen. Melanie Nützel“

„Wer sich ihre fragilen Arbeiten genauer anschaut, bekommt eine Ahnung davon, wie es im Kopf einer Künstlerin aussehen mag, die mit Formen zu schaffen hat, die seit der Antike bestehen und variiert werden.

(…) Ist nicht jedes Einzelstück der Versuch, dem Naturwesen etwas abzugewinnen, was nicht Natur, sondern eben Kunst ist – ein Spiel mit Farben, Oberflächen, und, dies vor allem (sagt sie), mit Materialien, die es zu erforschen, zu testen und experimentell zu bearbeiten gilt? Ich denke an jene Flügeltierchen, die sich in herrlich schillernde Falter verwandeln können – und ist nicht der Weg von Schmuckstück zu Schmuckstück ein Weg der beständigen Metamorphose? (…)

Denn was die Künstlerin mit Blech, Draht und Email, mit Sandgüssen – die eine an natürlichste Oberflächen erinnernde Außenseite aufweisen – und Eisen („Eisen lockt mich“, sagt sie) herzustellen vermag, sind Variationen über ein nicht beendbares Thema. Sie nennt‘s: Näher an den Schmuck heran kommen. Wo sich das Material, die grün schillernden, mal stumpferen, mal glatten, mal designerhaft wirkenden, mal raffiniert vergröberten Panzer der Tiere (die keine sind) und die unregelmäßigen Rundungen der Goldringe von den herkömmlichen Formen befreien, werden tatsächlich Ideen verwirklicht, von denen Melanie Nützel kaum ahnt, dass sie sie schon gegossen, punziert, getrieben und gehärtet hat. Die Frage, was Kunst sei, ist bekanntlich nur mit den Werken selbst beantwortbar. Die Frage: „Was ist Schmuck?“ bzw. „Was ist Schmuck- Kunst?“ bekommt man reflektiert, wenn man sich die mehr oder weniger schimmernden Kleinobjekte mit ihren textilnahen Oberflächen genauer anschaut.

(…)  Schon die Tatsache, dass ihre „Käfer“ sich längst von den naturgetreu sein wollenden Käferbroschen ihrer Kollegen emanzipiert haben, zeigt an, dass sie die eigene Handschrift gefunden hat, um die es letzten Endes geht, wenn man nicht Kunsthandwerk, sondern Kunst machen muss – zumindest für den Augenblick.“